28. Jänner 2008

Tuva solidarisch mit Tibet

Wenn's nicht einen ernsten Hintergrund hätte, wär's ja fast eine Faschingsmeldung:

Aus: http://www.tibet-cafe.net/eu/

Sunday, 27 January 2008

Dharmsala Welcomes the Establishment of Tuva Parliamentarian Tibet Support Group

VOA, 24/01/2008
The Tibetan Parliament in Dharamsala welcomed the establishment of a Parliamentarian Tibet Support Group in the House of Representatives of the Republic of Tuva.


Wer Tuva nicht kennt: Es handelt sich dabei um das einzige Land der Welt, das sich immer noch im Kriegszustand mit Deutschland befindet. Die kurzen Phasen der Unabhängigkeit waren offensichtlich zu kurz, um diesen zu beenden.

Bekannt wurde Tuva durch seine seltsam geformten Briefmarken


und durch das Buch "Tuva or Bust" über den Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman, der allerdings verstarb, bevor er das Land seiner Träume erreichen konnte.

Ansonsten gibt es dort zumindest zwei großartige Bands (Yat-Kha und Huun-Hur-Tu), einen wunderbaren deutschsprachigen Schriftsteller, der im Hauptberuf Häuptling und Schamane ist (Galsan Tschinag), überhaupt viele Schamanen, die eine Gemeinschaftspraxis in der ehemaligen Straßenmeisterei der Hauptstadt Kyzyl unterhalten und außerdem jede Menge Landschaft:


Sorry für offtopic, aber es musste sein...

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15. Jänner 2008

Chuck Norris: Zen & the Religious Right

Vor zwölf Jahren schrieb Chuck Norris, der Actionstar und Träger des 8. Dan in Tae Kwon Do, ein hochgelobtes Zen-Buch: "The Secret Power Within: Zen Solutions to Real Problems". Heute unterstützt er den Wahlkampf des republikanischen Kandidaten der "religious right", Mike Huckabee, und hat sogar einen leidlich selbstironischen Werbespot für ihn aufgenommen:



Chuck Norris setzt sich über das National Council On Bible Curriculum In Public Schools auch dafür ein, daß das Studium der Bibel wieder in den Lehrplan der öffentlichen Schulen aufgenommen wird.

Kann mir jemand erklären, wie das Weltbild der fundamentalistischen Christen in den USA mit der Einstellung von jemandem zusammenpasst, der offensichtlich schon ein ausführliches Zen-Training erhalten und sogar Bücher über sein Verständnis von Zen geschrieben hat? Oder habe ich etwas mißverstanden?

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10. Jänner 2008

Das gefälschte Sutra

Im Internet kursiert seit Langem eine angebliche Buddha-Lehrrede, die mit den Worten "Der Sohn des Kesa aus Kalamo (...)" beginnt und mit der Quellenangabe "Anguttara Nikaya I, 174" endet. Leider haben auch wir für unseren Red Buddha Flyer nicht ausreichend recherchiert und diesen Text übernommen. Es wird nicht wieder vorkommen.

Aber nochmals von vorne:

Die Geschichte beginnt damit, daß das erste Buch der Lehrreden-Sammlung "Anguttara Nikaya" (die "Angereihte Sammlung" aus dem "Sutta Pitaka", dem "Korb der Lehrsätze" des Pali-Kanon) - je nach Zählung - entweder 20 oder 37 Abschnitte hat, aber jedenfalls keine 174. Im ersten Buch des Anguttara Nikaya findet sich auch an anderer Stelle keine Lehrrede, die auch nur eine entfernte Ähnlichkeit mit der gesuchten Stelle hat.

Wenn man etwas tiefer gräbt, wird man allerdings bald fündig:

Im Anguttara Nikaya III, 66 findet man zwar noch immer keinen "Sohn des Kesa aus Kalamo", aber immerhin die "Kalamer aus Kesaputta", die mit dem Buddha eine bemerkenswerte Unterhaltung führen. Dieses Sutra wird nämlich oft als Beleg zitiert, daß der Buddhismus eine Weltanschauung ist, die die Eigenverantwortlichkeit betont und Autoritätshörigkeit ablehnt. Die gefälschte Version geht allerdings noch weiter, indem sie diesen Text verballhornt und zum Teil sogar in sein Gegenteil verkehrt.

Hier die entscheidenden Passagen in beiden Versionen:

Die gefälschte Version:
«Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin; glaube nicht an Überlieferungen, weil sie alt und durch viele Generationen bis auf uns gekommen sind; glaube nichts auf Grund von Gerüchten, oder weil die Leute viel davon reden; glaube nicht, bloß weil man dir das geschriebene Zeugnis irgend eines alten Weisen vorlegt; glaube nie etwas, weil Mutmaßungen dafür sprechen oder weil langjährige Gewohnheit dich verleitet, es für wahr zu halten; glaube nichts auf die bloße Autorität deiner Lehrer und Geistlichen hin.
Was nach eigener Erfahrung und Untersuchung mit deiner Vernunft übereinstimmt und zu deinem eigenen Wohle und Heile wie zu dem aller anderen Wesen dient, das nimm als Wahrheit an und lebe danach.»

(Diesfalls gefunden auf der Website http://www.here-now4u.de/wilber.htm)

Die "seriöse" Übersetzung:
«Geht, Kalamer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber, Kalamer, selber erkennt: 'Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden', dann o Kalamer, möget ihr sie aufgeben.
(...)
Wenn ihr aber, Kalamer, selber erkennt: 'Diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von den Verständigen gepriesen, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl', dann, o Kalamer, möget ihr sie euch zu eigen machen.»

(Übersetzung von Nyanatiloka, entnommen der Website http://www.palikanon.com/angutt/a03_062-066.html#a_iii66)

Es fällt auf, daß der gefälschte Text offensichtlich für westliche Leser "entschärft" wurde. Der Grundtenor ist zwar nicht ganz falsch, jedoch nimmt das Original ausdrücklich Bezug darauf, ob die Dinge "von den Verständigen gepriesen" oder "getadelt" werden. Statt "Verständiger" könnte man hier wohl auch "Lehrer" oder "Weiser" einsetzen. Es kommt also nicht ausschließlich auf das eigene Urteil an sondern auch darauf, was ein "Verständiger" dazu meint. Der Unterschied ist wichtig, denn im Buddhismus spielt der Lehrer eine wesentliche Rolle. Er kann und soll einem zwar die Arbeit an der eigenen Entwicklung (oder auch die Beurteilung, ob etwas "heilsam" oder "unheilsam" ist) nicht abnehmen, aber er kann dabei helfen. Und genauso ist diese Passage wohl gemeint.

Ein interessanter Nebenaspekt ist auch, daß die gefälschte Version ausdrücklich Bezug auf das eigene "Wohl und Heil" nimmt, was im buddhistischen Kontext zwar nicht ganz falsch ist, aber als Hinzufügung zum Text anscheinend auch den Zweck verfolgt, ihn zu entschärfen oder für unbedarfte Leser "besser verdaulich" zu machen.

Wer diese Fälschung erstellt hat und vor allem, warum er oder sie das tat, konnte ich noch nicht eruieren. Es scheint sich aber um eine rein deutschsprachige Version zu handeln. Einen bloßer Übersetzungsfehler halte ich für ausgeschlossen, denn solche Weglassungen und Hinzufügungen passieren nicht zufällig. Außerdem deutet die komplett falsche Quellenangabe auf Absicht hin.

Abschließend noch ein Hinweis: Hier findet man eine ausführliche Diskussion des Sutras durch Bhikkhu Bodhi und insbesondere auch des Kontexts, in dem Buddha die Aussagen getätigt hat. Eine weitere Schwachstelle der Fälschung besteht nämlich darin, daß das Original bis zur Unkenntlichkeit gekürzt wurde. Es ist tatsächlich nicht unerheblich, in welchem Kontext ein Buddha-Zitat steht, wer die Frage gestellt hat und worauf sich die Antwort eigentlich bezog. Sonst hat die Antwort nämlich nicht mehr Wert als "42"... :-)

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07. Jänner 2008

Red Buddha Plenum: The Buddha's Politics

Willkommen im neuen Jahr und in der neuen Red Buddha Saison!

Ausnahmsweise hier ein Hinweis auf unser nächstes Arbeitsgruppen-Plenum, weil das Thema des Referats als Einstimmung für Menschen geeignet ist, die sich für unsere Arbeit interessieren. Buddhismus-Vorkenntnisse sind dafür allerdings sehr hilfreich!

Alle unsere Termine sind im Veranstaltungskalender zu finden und werden hier im Blog normalerweise nicht extra angekündigt.

Das nächste Plenum der Arbeitsgruppe Red Buddha findet

am Montag, 14. Jänner 2007
um 19 Uhr
im Sitzungssaal der SPÖ Wien, I., Löwelstraße 18 (Gasseneingang links neben der Buchhandlung)

statt.

Tagesordnung:
  1. Gemeinsame Meditation
  2. Impulsreferat von Michael Eisenriegler über den Artikel "The Buddha's Politics" von Reginald A. Ray (in: "Mindful Politics: A Buddhist Guide to Making the World a Better Place", von Melvin McLeod (Hg.), Boston 2006)
  3. Diskussion
  4. Allfälliges & Organisatorisches
Der Buddhismus-Professor Ray analysiert in dem Artikel "The Buddha's Politics" anhand der drei großen Wege, was am Buddhismus eigentlich politisch ist und beschreibt, wie buddhistisches politisches Handeln aussehen könnte. Auch die anderen Artikel des Buches "Mindful Politics" sind übrigens sehr empfehlenswert!

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