19. Oktober 2009

Buchrezension: Creating a Transparent Democracy: A New Model von Shamar Rinpoche



"Creating a Transparent Democracy: A New Model" ist ein Entwurf eines utopischen, idealtypischen Staates, der mit dem alten Tibet genau gar nichts gemeinsam hat. Ganz im Gegenteil: An mehreren Stellen des Buches kritisiert der Autor Shamar Rinpoche ("Shamarpa") das tibetische Feudalsystem so schonungslos, wie nur wenige andere hohe Lamas vor ihm. Er warnt vor jeglicher Verbindung von Religion und Staat, da diese nur Korruption und Machtmißbrauch fördert, und er wartet dazu auch mit drastischen Beispielen auf, wie etwa der systematischen Verwendung von Samayas (tantrischen Gelübden) als Mittel zur Unterdrückung eines ganzen Volkes. Die Schlußfolgerungen, die er daraus zieht sind nicht minder konsequent: in Shamarpas idealem Staat sind Religionsführer automatisch von Staatsämtern ausgeschlossen.

Seine Staatsutopie selbst wirkt für europäisch sozialisierte Menschen wahrscheinlich etwas seltsam. Shamarpa nimmt sich die Freiheit eine ideale und radikale Demokratie zu entwerfen. Wäre Shamarpa ein deutscher oder russischer Philosoph aus dem 19. Jahrhundert, so stünde er in der Tradition vieler radikaler sozialistischer und anarchistischer Denker dieser Ära, zumindest macht die Lektüre seines Buches einen solchen Eindruck. Seine Ziele sind die maximale politische Partizipation aller Menschen, die Vermeidung von Korruption und politischer Propaganda, die Dezentralisierung von Macht und die völlige Transparenz politischer Prozesse. Sein Staatsmodell besteht aus sieben Verwaltungebenen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, wobei die wichtigsten Träger politischer Verantwortung die gewählten Repräsentanten der einzelnen Dörfer (mit je etwa 1.000 Einwohnern) sind.

Man hat allerdings den Eindruck, daß nicht alle Maßnahmen zur Verwirklichung seiner Ziele sehr konsequent durchdacht sind. Zum Beispiel soll jeder Bürger das Recht haben, Verfassungsänderungen anzuregen und diese müssen auch zur Abstimmung gebracht werden, wenn mindestens 10% der Wahlberechtigten eine schriftliche Unterstützungserklärung (mit beigefügter Ausweiskopie) einschicken. Im heutigen Indien (Shamarpas Exilwohnsitz) wären das mehrere -zig millionen Briefe, die dann von einer Kommission ausgewertet werden müssten - kein besonders realistischer Vorschlag, nicht einmal für ein Land mit ausgeprägter Bürokratie. Auch sein Verbot politischer Propaganda bleibt wohl folgenlos, denn wer soll darüber richten, wo die ehrliche politische Argumentation (die er sich wünscht) endet und wo die Propaganda beginnt.

Es ist also, wie gesagt, ein seltsames Buch. Aber Shamarpa selbst versteht es als Denkanstoß und als solcher ist es auch durchaus interessant zu lesen. Es ist immerhin zu würdigen, wenn jemand im 21. Jahrhundert den Mut besitzt, eine frische politische Utopie zu entwickeln, deren Ziel es ist, die Menschen zu emanzipieren und am Staatsleben zu beteiligen. Es sollte mehr solche Bücher geben, nicht nur von alten Deutschen und alten Russen...




Über den Autor:
Der 14. Shamarpa Künsig Shamar Mipham Chökyi Lodrö wurde 1952 in Tibet geboren und gilt als zweithöchster Lama der Karma Kagyü Linie des Tibetischen Buddhismus. Auch die früheren Reinkarnationen der Shamarpas waren dafür bekannt bisweilen Querdenker zu sein und trugen in der Geschichte einige Konflikte mit der offiziellen tibetischen Staatsgewalt und den Dalai Lamas aus. So marschierte etwa der 10. Shamarpa als Höhepunkt einer Auseinandersetzung mit dem Dalai Lama im 18. Jahrhundert gemeinsam mit der nepalesischen Armee in Tibet ein. Der Angriff wurde mit chinesischer Hilfe zurückgeschlagen und der Dalai Lama verbot die Auffindung weiterer Reinkarnationen der Shamarpas. Dieser Bann wurde erst 1963 durch den derzeitigen Dalai Lama wieder aufgehoben.
Der 14. Shamarpa wurde im Westen vor allem durch seine Rolle im Konflikt um die Auffindung des 17. Karmapa im Westen bekannt, in dem er - im Gegensatz zum Dalai Lama - auf der Seite von Thaye Dorje steht. Darüber hinaus reist er als buddhistischer Lehrer um die Welt und lehrt sowohl an den Diamantwegs-Zentren von Lama Ole Nydahl als auch an den von ihm selbst gegründeten Bodhipath-Zentren.

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29. Mai 2008

Anmerkungen zur Tibet-Frage

Red Buddha erarbeitete in einem mehrwöchigen Diskussionsprozess nachfolgende "Anmerkungen zur Tibet-Frage". Das Papier spiegelt die interne Meinungsbildung der Arbeitsgruppe "Red Buddha" der Wiener SPÖ Bildung wieder und ist keine offizielle Position der SPÖ oder einer ihrer Teilorganisationen. Wir freuen uns über Kommentare und Anregungen dazu!






Anmerkungen zur Tibet-Frage
Ein Positionspapier der Arbeitsgruppe Red Buddha der SPÖ - Wiener Bildung



1. Ist Tibet ein Teil von China?

Das zentrale Argument der chinesischen Führung für die Besetzung Tibets war und ist die Behauptung, daß Tibet "immer schon" ein Teil Chinas war. Das Argument ist so nicht richtig, da sowohl China als auch Tibet in den letzten paar hundert Jahren ihrer Geschichte immer wieder unter der Kontrolle fremder Mächte standen, wie etwa der Mongolen oder der Mandschuren. Es ist daher eine Definitionsfrage, ob man die Herrschaft der Mandschuren über China und Tibet als Okkupation deutet, oder ob die Mandschuren ohnehin als Chinesen gesehen werden (was sie zumindest am Anfang ihrer Dynastie sicher nicht waren). Derlei Spitzfindigkeiten kann man für fast jede Phase der chinesisch-tibetischen Geschichte anwenden. Die Diskussion ist daher einerseits müßig, andererseits entsprechen wohl weder die chinesische noch die weit verbreitete exiltibetische Version (wonach Tibet "immer schon" unabhängig war) der historischen Wahrheit. Diese muß sorgfältig untersucht werden, wobei sich letztlich die Frage stellt, welche Kriterien für Eigenstaatlichkeit einer historischen und völkerrechtlichen Beurteilung zugrunde gelegt werden. Faktum ist allerdings, daß China und Tibet über weite Strecken ihrer Geschichte in einem komplexen Geflecht von Beziehungen und historischen Abläufen miteinander verbunden waren.


2. War Tibet vor dem chinesischen Einmarsch unabhängig?

Tibet war von 1913 (Unabhängigkeitserklärung durch den XIII. Dalai Lama) bis zum chinesischen Einmarsch 1950 und dem nachfolgenden Abschluß des 17-Punkte-Abkommens zwischen Tibetern und Chinesen de facto unabhängig. Völkerrechtlich wurden weder die Unabhängigkeitserklärung noch das 17-Punkte-Abkommen jemals wirksam. Erstere wurde von keinem anderen Land anerkannt, letzteres wurde von den Tibetern nur unter militärischem Druck unterzeichnet. Auf der anderen Seite funktionierte Tibet während dieser Zeit als unabhängiger Staat mit eigener Währung, eigenen Reisepässen und eigenem Postsystem, nahm aber aufgrund der selbstgewählten Isolation keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu anderen Ländern auf, was aus heutiger tibetischer Sicht wohl ein Fehler gewesen ist.


3. Worin besteht die Position der Dalai Lamas?

Im Gegensatz zur häufig gebrauchten Darstellung war und ist der Dalai Lama kein "Gottkönig". Die Machtposition der Dalai Lamas und der mit ihnen eng verbundenen Gelugpa- ("Gelbmützen-")-Schule des tibetischen Buddhismus resultierte aus einem innertibetischen Machtkampf, der im 17. Jahrhundert mit mongolischer Hilfe zu Gunsten des V. Dalai Lama entschieden wurde. Seither sind die Dalai Lamas die weltlichen Herrscher Tibets (vergleichbar mit europäischen Königen). In spiritueller Hinsicht wurden die Dalai Lamas auch immer hoch angesehen, besaßen aber in erster Linie innerhalb ihrer eigenen Schule spirituelle Autorität. Die oft gehörte Floskel, wonach der Dalai Lama das geistige Oberhaupt der Tibeter sei, stimmte weder damals noch heute, er ist - streng genommen - nicht einmal der Leiter seiner eigenen Gelugpa-Schule (diese untersteht dem Abt des Klosters Ganden, dem "Ganden Tripa Rinpoche"). Nichtsdestotrotz besitzt der heutige XIV. Dalai Lama hohes Ansehen und vor allem auch hohe Symbolkraft für das tibetische Volk und die Mitglieder aller tibetisch-buddhistischen Schulen.


4. Wie ist das politische System Tibets vor der chinesischen Okkupation zu beurteilen?

Was das alte Tibet betrifft, so ist das politische System nur schwer mit westlichen Begriffen zu beschreiben. Es handelte sich dabei um ein Feudalsystem mit sehr komplexen internen Machtverhältnissen und insbesondere starkem Einfluß der großen Klöster. Aus heutiger sozialdemokratischer Sicht handelte es sich dabei sicher um kein unterstützenswertes politisches System, auf der anderen Seite ist schwer zu beurteilen, wie zufrieden oder unzufrieden die damalige Bevölkerung mit den Verhältnissen war, in denen sie lebte. Das chinesische Argument, wonach China den Tibetern den "Fortschritt" brachte ist daher auch danach zu hinterfragen, ob dieser Fortschritt im Einklang mit dem Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes stand, und diese Frage kann wohl ganz klar verneint werden. Es gibt allerdings niemanden, der zu diesem System zurück möchte, die tibetische Exilregierung wurde - zumindest einigermaßen - demokratisch gewählt und hat auch einen Verfassungsentwurf vorgelegt. Der Dalai Lama fördert und fordert seit seiner Flucht 1959 immer wieder die Einführung demokratischer Strukturen und Reformen, wenn auch mit wechselndem Erfolg, da demokratisches Bewußtsein weder in Tibet noch in der exiltibetischen Community besonders tief verwurzelt ist. Hier muß sicher noch viel politische Bildungsarbeit geleistet werden.


5. Wie ist die Situation in Tibet heute?

Es scheint offensichtlich, daß viele Tibeter und Tibeterinnen die chinesische Herrschaft über Tibet ablehnen. Es gibt eine Vielzahl gut dokumentierter Menschenrechtsverletzungen, und das nicht erst seit den erneuten Unruhen im März 2008. Ein großes Problem mit hohem sozialen Sprengstoff bildet die seit einigen Jahren von der chinesischen Regierung forcierte Umsiedlungspolitik. Der Anteil der Nicht-Tibeter an der Gesamtbevölkerung der sogenannten "Autonomen Region Tibet" dürfte - zumindest in den städtischen Regionen Tibets - schon über 50% liegen. Das damit zusammenhängende zweite große Problem liegt darin, daß der chinesischen Regierung vorgeworfen wird, sich weder an das o.a. 17-Punkte-Abkommen noch an die chinesische Verfassung zu halten. In beiden Dokumenten sind u.A. kulturelle und religiöse Autonomie verankert. Aufgrund des starken Zuzugs der Han-Chinesen und der gleichzeitigen Unterdrückung der tibetischen Kultur (tibetische Kinder werden etwa nur wenig in tibetischer Sprache unterrichtet) ist also ein Aussterben der tibetischen Kultur und ihrer Traditionen zu befürchten.


6. Welche Möglichkeiten zur Lösung der Tibet-Frage sehen die TibeterInnen selbst?

Die chinesische Regierung behauptete auch in jüngster Vergangenheit, daß sie zum Dialog mit dem Dalai Lama bereit sei, wenn dieser akzeptiere, daß Tibet ein Teil Chinas sei und er überdies der Gewalt abschwöre. Beide Bedingungen hat der Dalai Lama seit Jahrzehnten mehrfach erfüllt. Es scheint sich dabei also lediglich um ein taktisches Manöver Chinas zu handeln. Im tibetischen Beziehungsgeflecht nimmt der Dalai Lama eine extrem gemäßigte Position ein, die durch seinen bereits 1987 veröffentlichten (und bis heute gültigen) 5-Punkte-Friedensplan illustriert wird. Dieser Plan ist viel weniger weitgehend als das erwähnte 17-Punkte-Abkommen, zu dem sich die chinesische Seite ja selbst verpflichtet hat. Der Dalai Lama hat auch unabhängig davon immer wieder betont, daß er nur eine Autonomie Tibets als Teil Chinas anstrebt und sein Volk fortgesetzt zu absoluter Gewaltlosigkeit aufgerufen. An diesen beiden Positionen wird innerhalb der tibetischen Exilszene verhalten Kritik geübt, da viele - vor allem junge - ExiltibeterInnen heutzutage die Politik der völligen Gewaltlosigkeit nicht mehr mittragen möchten und/oder von einem völlig unabhängigen Tibet träumen. Derzeit ist es noch so, daß die Autorität des Dalai Lama groß genug ist, um die radikaleren Tendenzen unter Kontrolle zu halten, das muß aber nicht mehr lange so bleiben.


7. Welche Lösungsmöglichkeiten der Tibet-Frage gibt es aus sozialdemokratischer Sicht?

Auf der einen Seite gibt es kein Land der Welt, das heute ernsthaft die Souveränität Chinas über Tibet in Frage stellen möchte. Auf der anderen Seite gibt es das Recht des tibetischen Volkes auf Selbstbestimmung. Beide Positionen müssen auf dem Verhandlungsweg in Einklang gebracht werden, dazu gibt es keine Alternative. Gerade Europa kann einige erfolgreiche Konfliktlösungen in ähnlich gelagerten Fällen als role models in den Diskussionsprozess einbringen, hier können etwa Katalonien, Südtirol oder Nordirland angeführt werden. Die europäische Diplomatie und insbesondere auch die Sozialistische Internationale könnten glaubwürdige Vermittlerpositionen einnehmen und versuchen, sowohl die tibetische Exilregierung als auch die chinesische Führung an den Verhandlungstisch zu bringen und von China die Einhaltung des 17-Punkte-Abkommens und der chinesischen Verfassung zu verlangen. Die Zeit drängt allerdings, denn der Dalai Lama ist mittlerweile 72 Jahre alt. Sein Ableben könnte den Konflikt verschärfen und auch die tibetische Bevölkerung radikalisieren. Es ist also wichtig, daß ein für alle Seiten akzeptables Übereinkommen noch zu Lebzeiten und unter Einbeziehung des Dalai Lama geschlossen wird. Etwas guten Willen und fortgesetzten politischen Druck der internationalen Gemeinschaft vorausgesetzt, könnte eine solche Lösung schon bald in Reichweite sein. Wir sind daher der Meinung, daß die österreichische und die internationale Sozialdemokratie umgehend eine derartige Initiative starten sollten.

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26. Mai 2008

Buchrezension: Dalai Lama - Freiheit für Tibet

"Im 20. Jahrhundert hat die Welt sich vollkommen verändert. Auch Tibet wurde Teil dieser Veränderungen. Kurz nach Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 marschierte die Volksbefreiungsarmee in Tibet ein, was schließlich zum 17-Punkte-Abkommen führte, das im Mai 1951 zwischen China und Tibet geschlossen wurde. Als ich von 1954 bis 1955 in Peking weilte und am Nationalen Volkskongress teilnahm, hatte ich die Gelegenheit, viele erfahrene politische Führer Chinas, darunter auch den Großen Vorsitzenden Mao kennen zu lernen, ja eine freundschaftliche Beziehung zu ihnen aufzubauen. Der Große Vorsitzende Mao beriet mich in vielen Fragen und gab mir im Hinblick auf die Zukunft Tibets persönliche Garantien."

Heute wissen wir, daß sich die Geschichte Tibets anders entwickelte, als sie sich der junge XIV. Dalai Lama Tenzin Gyatso damals gewünscht hatte. Vier Jahre danach, im Frühjahr 1959, marschierte die chinesische Volksbefreiungsarmee in Tibet ein und schlug den Aufstand des tibetischen Volkes gewaltsam nieder. Der Dalai Lama musste ins indische Exil fliehen und wurde, dank seines unermüdlichen Einsatzes für die tibetische Sache, zu einer Symbolfigur für das Land am Dach der Welt.

Vor wenigen Wochen, fast 50 Jahre nach der Flucht des Dalai Lama über den Himalaya, spitzte sich die Situation in Tibet erneut zu: es kam zu Demonstrationen, die von der chinesischen Armee und Polizei gewaltsam beantwortet wurden. Niemand weiß bislang, wie viele Menschen dabei ihr Leben lassen mussten oder sonst zu Schaden kamen. Die chinesische Führung machte überdies die sogenannte "Dalai Lama Clique" für die Ausschreitungen verantwortlich.

Aus Anlaß dieser jüngsten Ereignisse hat der Verlag Hugendubel schnell reagiert und im vorliegenden Buch "Freiheit für Tibet" eine Sammlung von Aufsätzen und Reden des Dalai Lama aus den letzten 20 Jahren veröffentlicht. Der jüngste dieser Texte, die "Botschaft an alle Tibeter", ist gerade einmal 5 Wochen alt und wurde unter dem unmittelbaren Eindruck der Geschehnisse niedergeschrieben:

"Seit dem 10. März dieses Jahres sind wir Zeuge von Protesten und Demonstrationen in fast allen Teilen Tibets geworden. Sogar in einigen Städten Chinas protestierten Studenten - all das ist der Ausbruch der seit langem angestauten äußeren und inneren Qualen der Tibeter und ihres Gefühls tiefer Verbitterung aufgrund der Unterdrückung der Rechte des tibetischen Volks, dem Mangel an religiöser Freiheit und des Versuchs, die Wahrheit bei jeder nur möglichen Gelegenheit zu entstellen."

Abseits einer Einschätzung der aktuellen Geschehnisse gibt das Buch einen guten Überblick über die Positionen des Dalai Lama als politischem Oberhaupt der Tibeter und seine Wünsche für die Zukunft Tibets. Außerdem erfährt man darin einiges über die Philosophie eines buddhistischen Mönchs, sein vehementes Eintreten für absolute Gewaltlosigkeit und seine Wertschätzung für alle Lebewesen. Ein schwarz/weißes Denken in Feindbildern hat in seiner Weltsicht keinen Platz, wie er in seinem eingangs zitierten "Appell an das chinesische Volk" deutlich macht:

"Meine chinesischen Brüder und Schwestern, wo immer Sie sich auch aufhalten mögen, ich appelliere an Sie, die Missverständnisse zwischen unseren Völkern ein für alle Mal ausräumen zu helfen, damit wir in einem von Verständnis und Einigungswillen geprägten Dialog eine friedliche und dauerhafte Lösung für die Tibetfrage finden. Mögen meine Gebete mit Ihnen sein."

Das Buch "Freiheit für Tibet" ist also eine durchaus interessante Zusammenstellung von Zeitdokumenten. Leider fehlt dem Buch aber ein roter Faden, der die einzelnen Texte verbinden und zueinander in Bezug setzen könnte.

Es wäre überdies nützlich gewesen, auch Hintergrundinformationen mitzuliefern, denn das Buch setzt stillschweigend voraus, daß der Leser oder die Leserin bereits über einschlägiges Vorwissen über die Geschichte und das politische System Tibets verfügt. Für jemanden, der sich prinzipiell über die Tibetfrage und Möglichkeiten zu ihrer Lösung informieren möchte, ist es daher leider nur bedingt zu empfehlen. Jemand, der sich aber dafür interessiert, welche Meinungen der Dalai Lama selbst vertritt, wird darin auch Antworten finden.

Rezension von Michael Eisenriegler, erstmals veröffentlicht in der Sendung Kontext auf ORF Ö1 am 16.5.2008

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19. Oktober 2007

Joi Ito über Altruismus, Open Source, den Dalai Lama und Creative Commons

Der immer lesens- und hörenswerte Internet-Guru Joi Ito im Gespräch mit Philipp Schmidt über Altruismus in der Open Source und Free Software-Bewegung, in dem er sich sehr stark auf buddhistisches Denken (insbesondere den Dalai Lama) bezieht. Eine interessantes Beispiel für eine zeitgenössische Verbindung von Buddhismus und Ökonomie von einem der wichtigsten Vordenker des Internets.

Artikel auf iCommons.org
Artikel auf Joi Ito's Weblog
Direkter Link zum Gespräch (.mp3)

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21. September 2007

Gaby Schaunig, der Dalai Lama und Alfred Gusenbauer

Die Tageszeitung "Österreich" hatte am 20. September noch erkennbare Probleme, den Dalai Lama von Gaby Schaunig zu unterscheiden, obwohl sich die beiden eigentlich kaum ähnlich sehen:



Dafür klappte dann das Treffen von Kanzler Gusenbauer, seiner Lebensgefährtin und Seiner Heiligkeit (man beachte die korrekte Groß- und Kleinbschreibung!) doch noch, wie "Der Standard" am 22. September auf dem Titelblatt vermelden konnte:



Disclaimer: Dieses Treffen ist kein Beweis dafür, daß Red Buddha gerade dabei ist, die Weltherrschaft zu übernehmen. Wir freuen uns aber trotzdem darüber!

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20. September 2007

Der Dalai Lama und der Marxismus II

Das Spiegel-Interview, in dem sich der Dalai Lama als Anhänger des Urmarxismus outete, war kein "Ausrutscher". In der Online-Ausgabe der Wiener Zeitung vom 19.9.2007 findet sich folgende Passage in einem Artikel von Andreas Unterberger:

"Seine heutige ideologische Position umschrieb der Dalai Lama als die eines "liberalen und demokratischen Sozialisten, der ein halber Marxist ist". Wieweit sich hinter dieser Selbstbeschreibung der Versuch verbirgt, die Türen zu Peking offen zu halten, bleibt offen. Jedenfalls strich er gleichzeitig die Bedeutung der individuellen Freiheit und Kreativität hervor."

Das Ö1-Magazin "Religion Aktuell" vom selben Tag zitiert S.H. sogar noch deutlicher: "Er (der Dalai Lama) sei gleichzeitig Buddhist und Marxist" war da wörtlich zu hören, allerdings wiederum verpackt in die Behauptung, daß das "positive Signale nach China" seien.

Interessant ist diese ideologische Positionierung allemal und jedenfalls ein Grund mehr für Red Buddha, sich weiterhin mit dem Themenkreis zu beschäftigen.

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22. Juli 2007

Der Dalai Lama und der Marxismus

In der Titelgeschichte des letztwöchigen Spiegel (Der Spiegel 29/2007) über den Dalai Lama findet sich auf S. 92/93 ein interessantes Zitat Seiner Heiligkeit:

"Buddhismus und Marxismus weisen gemeinsame Grundzüge auf, auch wenn das im Alltag sogenannter kommunistischer Staaten selten erkennbar geworden ist. Der Urmarxismus hat sich ernsthaft mit der Frage beschäftigt, wie man den Ertrag aus der Arbeit gerecht verteilen kann - das entspricht dem Gebot meiner Religion."

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17. Juli 2007

Der Dalai Lama, Waldzell, seine Vorgänger und die Mongolen

Nicht nur die Mongolen kommen, auch S.H. der Dalai Lama wird Österreich wieder einmal einen Besuch abstatten, und zwar von 17.-19. September zum Waldzell-Meeting. Ein Dialog mit ihm zum Spannungsfeld Buddhismus & Politik wäre spannend, denn wer könnte dazu mehr beitragen? Zumindest dann, wenn es stimmt, daß sich inkarnierte Meister an ihre früheren Leben erinnern können, denn die vorherigen 13 Dalai Lamas haben das Thema in alle Richtungen abgehandelt. Zu diesen ist nun ein interessantes und tiefgründiges Buch erschienen: Das geheime Leben der Dalai Lamas. Die Geschichte der Gottkönige von Tibet. Aber Vorsicht: das Konvolut ist alles andere als einfach zu lesen und es schadet auch nicht, bereits über Kenntnisse in tibetisch-buddhistischer Philosophie und Spiritualität und über das alte tibetische Staatswesen zu verfügen. Einer der interessantesten Aspekte des Buches sind übrigens die komplexen Verhältnisse zwischen Tibet, der Mongolei und China, und wie sich diese über die Jahrhunderte entwickelt haben. Immerhin wurde ja der Titel "Dalai Lama" von einem mongolischen Herrscher erfunden. Womit wir wieder bei den Mongolen wären...

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